Zürcher Oberländer, Freitag, 20. Juni 2003  

„Heute hängt alles von diesem einen Tag ab“
Beim heutigen Feldtest für Haflinger und Freiberger in Fehraltdorf werden die besten Zuchtpferde selektiert

scr. Neben rund 20 weiteren gemeldeten Freiberger- und Haflingerpferden bestreitet heute Freibergerwallach Valentino mit Yolanda Meier aus Effretikon im Pferdesportzentrum Barmatt in Fehraltdorf den Feldtest. Zur Prüfung gehören die Reit- und Fahrtauglichkeit wie auch viele andere positive Eigenschaften der jungen Pferde.

Die Freundschaft zwischen Valentino, dem Fuchswallach, und der lebenslustigen Yolanda Meier ist noch jung. Vor zweieinhalb Jahren kaufte Toni Vogt Valentino und die beiden Freibergerstuten Andorra und Helena als 6-monatige Absetzfohlen. Auf dem Laubihof, einem idyllisch, auf einer Waldlichtung gelegenem Fohlen- und Pensionshof in Tössriederen/Eglisau, wuchsen die Jungtiere auf. Jetzt mit drei Jahren sind sie so weit, dass sie heute Freitag den Feldtest absolvieren.

Schule und Reiten

Yolanda Meier ist mit ihrem Bruder Bruno in Schönenbaumgarten im Kanton Thurgau aufgewachsen. Bald lockten Nachbars Pferde, ebenfalls Freiberger, und das damals achtjährige Mädchen begann zu reiten. Seither sind 13 Jahre vergangen. Die junge Frau lebt nun seit bald einem Jahr in Effretikon und besucht in Winterthur die Zürcher Hochschule Winterthur (ZHW). Ihrer Reitlust frönt sie im Stall Pöstli in Bertschikon, wo sie die beiden Wallache von Dietmar Orgeig, den Hannoveraner Didrik und den Franzosen Kartango, drei- bis fünfmal die Woche bewegt. „So sind die Tage neben der Schule und den Hausaufgaben ausgefüllt“, lacht die Reiterin. An der Schule lernte sie Regina Vogt, die Tochter von Toni, kennen. Und weil es besser ist, dass jedes Pferd von einer Person auf den Test vorbereitet und gepflegt wird, war bald klar, dass Yolanda das Vertrauen Valentinos gewinnen sollte.

Frauen reiten, Mann fährt

„Die Vorbereitungszeit ist ein langer Prozess und beginnt bereits im Fohlenalter mit der Erziehung, dem Aufbau von Vertrauen auf beiden Seiten und dem Gehorsam“, erklärte Regina Vogt. Die Vorbereitungen für den Feldtest begannen vor einem halben Jahr, als die Jungtiere als Handpferde ins Gelände geführt und dann an die Arbeit an der Longe gewöhnt wurden. Die Bekanntschaft mit Sattel und Geschirr folgten, wobei das sachte anfahren zusammen mit einem erfahrenen Pferd geübt wurde. Während Toni Vogt heute im Freien für das Fahren im 40 mal 80 Meter grossen Dressurviereck zuständig ist, übernehmen die jungen Frauen das Reiten in der Halle.

Pferde stehen zum Verkauf

Yolanda Meier ist erstmals bei einem Test dabei und freut sich auf die neue Erfahrung. Für Regina und Franziska Tanner, eine ehemalige Mitschülerin Reginas, ist der Anlass bereits Routine. Regina schränkte jedoch sofort ein: „Es ist ein Tier und schliesslich unberechenbar, dabei hängt alles von einem Tag ab, und darum ist es von Vorteil, ein Pferd und dessen Geschichte gut zu kennen.“ Heute starten nun also die Paare Yolanda Meier und Valentino, Franziska Tanner und Andorra sowie Regina Vogt und Helena. Die drei Pferde stehen nach dem Test zum Verkauf. „Wir geben sie aber nur in sehr gute Hände“, betonte Regina sogleich.

Was ist der Feldtest?

scr. Der Feldtest findet in der Regel im Freien, also im Feld statt und wird in Fehraltdorf von der Zürcher Pferdezuchtgenossenschaft durchgeführt. Mit dem Anlass wird ein erstklassiger Bestand der Rasse angestrebt, wobei das Zuchtziel eingehalten werden muss. Dreijährige Pferde werden dabei im Exterieur, im Fahren und Reiten geprüft, wobei Noten von 1 bis 9 vergeben werden. Wichtige Attribute sind denn auch der Allgemeinzustand, saubere Gangarten und ein einwandfreier Charakter. Anhand der Feldtests werden die Pferde im Zuchtwert in Stufen B und C eingeteilt. Unter B sind nur Tiere zu finden, die den Reit- und Fahrtest gut bestanden haben und im Exterieur mindestens dreimal eine 6 vorweisen können. Ein gut benotetes Pferd ist leichter zu verkaufen und garantiert, die guten Eigenschaften in der Weiterzucht zu vererben.

Regina Vogt, Yolanda Meier und Franziska Tanner (von links) bei der Schweifpflege.

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